Cornelia Kafka | Praxis des Lebens

Supervision | Fortbildung | Begleitung
Feministischer Blick und Pränatales Bonding

Rollenvielfalt ohne Verwirrung

Fachwissen, Empathie und Dokumentation

Beobachtung aus der Praxis: Sarah, eine Sozialarbeiterin in der Familienhilfe, kommt frustriert in die Supervision: „Die Eltern und Kinder wollen alle etwas anderes von mir und meist gleichzeitig. Mal soll ich ihnen zuhören, mal Fachwissen geben, mal zwischen ihnen vermitteln oder Partei ergreifen – und am Ende sind alle unzufrieden.“

Sarahs Problem ist nicht unbedingt, dass sie zu viele Rollen hat. Es ist, dass sie unbewusst zwischen ihnen hin- und herspringt – und niemand, nicht einmal sie selbst, weiß genau, welche sie gerade ausfüllt. Die Eltern spüren diese Unsicherheit. Sie fühlen sich nicht begleitet, sondern verwirrt. Und Sarah? Sie fühlt sich zerrissen – zwischen Fachwissen, Emotion und Dokumentation.

Wir sind verstrickt in Erwartungen und Aufgaben, die wir meist in wenig Zeit mit unseren Klient:innen packen müssen. Die Supervision hilft mit Fragen wie: „Welche Rolle wird hier von dir erwartet – und welche nimmst du tatsächlich ein?“

Unbewusste Rollenwechsel führen zu Missverständnissen

Beratung vs. Kontrolle: „Ich soll die Familie unterstützen – aber gleichzeitig prüfen, ob sie die Förderkriterien erfüllt.“ Risiko: Klient:innen spüren die Ambivalenz: „Will die mich verstehen – oder bewerten?“

Beziehung vs. Dokumentation: „Die Klientin braucht jetzt meine volle Aufmerksamkeit – aber ich muss gleichzeitig das Gespräch protokollieren.“ Risiko: Die Beziehung wirkt zerstückelt, die Dokumentation unpersönlich

Fachwissen vs. emotionale Begleitung: „Die Eltern fragen nach Entwicklungstabellen – aber eigentlich brauchen sie jetzt Trost, keine Fakten.“ Risiko: Entweder fühlen sie sich überfordert (zu viel Input) oder alleingelassen (zu wenig).

Teams und Klient:innen wissen oft nicht, welche Rolle die Fachkraft gerade einnimmt – weil sie selbst es nicht benennt. Aus feministischer Perspektive muss erwähnt sein, dass besonders Frauen „gewohnt“ sind und den Druck spüren alles gleichzeitig zu können.

Rollen ALS Werkzeuge

Die systemische Theorie zeigt auf: Rollen sind nicht statisch – sie entstehen im Kontext (z.B. „Bin ich jetzt Expertin oder Begleiterin?“). Unbewusste Rollenwechsel führen zu Verwirrung – bei Klient:innen und Fachkräften. Bewusste Rollenklärung schafft Sicherheit – für alle Beteiligten. Stattdessen behandeln wir Rollenvielfalt oft wie „Flexibilität“ – oft ist sie jedoch eine unbewusste Überforderung.

Perspektivwechsel | Die richtige Frage stellen

  • Nicht: „Wie kannst du dich besser abgrenzen?“ Sondern: „Welche Rolle wird hier gerade von dir erwartet – und welche nimmst du tatsächlich ein?“
  • Die Klient:innen brauchen keine „perfekte“ Fachkraft – sondern eine, die klar kommuniziert, welche Rolle sie gerade einnimmt. Die Fachkraft braucht keine „mehr“ Rollen – sondern Bewusstsein, wann sie welche spielt.
  • Die Lösung liegt nicht in weniger Rollen, sondern in klaren Übergängen.

Konsequenz für die Praxis | Rollen bewusst gestalten

  • Weniger „Optimierung“, mehr Sortierung. Statt zu fragen: „Wie kannst du alles besser machen?“ → „Welche Rolle ist hier jetzt gefragt – und wie kündige ich sie an?“
  • Rollenwechsel ankündigen. „Jetzt schlüpfe ich in meine Expert:innen-Rolle – gleich sind wir wieder im Gespräch.“ „Ich mache mir jetzt Notizen – damit wir nichts vergessen.“ (Transparenz schafft Vertrauen!)
  • Reflexion statt Perfektion. „Wo bin ich heute zwischen Rollen hin- und hergerissen worden – und wie hätte ich das klarer gestalten können?“ „Welche Rollenwechsel sind mir gut gelungen – und wie?“

Rollen im Überblick | und wie man sie trennt

Rolle: Fachexpert:in. Situation: Eltern fragen nach Entwicklungstabellen. Risiko: Überforderung („Ich muss alles wissen!“). Lösungsansatz: „Dazu kann ich Ihnen Daten nennen – aber lassen Sie uns erst schauen, ob das jetzt hilft.“

Rolle: Dokumentar:in. Situation: Gespräch muss protokolliert werden. Risiko : Zerrissene Aufmerksamkeit. Lösungsansatz: „Ich mache mir jetzt erst Notizen – damit wir nichts vergessen.“ (Transparenz!)

Rolle: Vermittler:in. Situation: Konflikt zwischen Angehörigen. Risiko: Parteiisch wirken. Lösungsansatz: „Meine Rolle hier ist, zwischen euch zu übersetzen – nicht, eine Seite zu nehmen.“

Gerne bringe ich mit Ihnen Klarheit in Ihre vielfältigen Rollen. Supervision hilft.