In sozialen Einrichtungen passiert es oft im Stillen: Jemand merkt, dass der Kaffee leer ist und füllt ihn nach. Eine Person hört zu, wenn ein:e Kolleg:in nach einem schwierigen Klient:innengespräch zittert. Wieder eine andere schlichtet den Konflikt, bevor er eskaliert, oder erinnert das ganze Team an den Geburtstag der Praktikantin.
Diese Aufgaben sind essenziell für das Miteinander. Sie halten den Laden zusammen. Doch in Dienstplänen, Stellenbeschreibungen und bei der Gehaltsverhandlung tauchen sie selten auf. Wir nennen das unsichtbare Care-Arbeit. Oft sind es „weiblich codierte“ Tätigkeiten – Organisation, emotionale Unterstützung, das Glätten von Wogen –, die gesellschaftlich und betrieblich als „natürliche“ weibliche Eigenschaft abgetan werden, statt als wertvolle Arbeitsleistung anerkannt zu werden.
Was ist „Emotional Labor“?
In der Fachsprache sprechen wir hier von Emotional Labor (emotionale Arbeit). Es beschreibt die Arbeit, die wir mit unseren Gefühlen und denen anderer leisten, um eine reibungslose Atmosphäre zu gewährleisten.
- Das Zuhören, wenn eigentlich Pause wäre.
- Das Deeskalieren, bevor die Wut ausbricht.
- Das Erinnern an Termine, die andere vergessen haben.
- Das „Gute-Mine-zum-schlechten-Spiel machen“, um das Team zu stabilisieren.
Das Tückische an dieser Arbeit: Sie ist unsichtbar. Wenn sie gut gemacht wird, fällt sie nicht auf. Wenn sie fehlt, bricht das Klima zusammen. Die Folge für die leistenden Personen (statistisch und erfahrungsgemäß oft Frauen) ist eine schleichende Überlastung. Man arbeitet doppelt: die fachliche Aufgabe und die unsichtbare Beziehungsarbeit. Ohne Anerkennung führt das langfristig zu Frustration und Burnout.
Warum das ein Führungsthema ist
Als Führungskraft in einer sozialen Einrichtung in Wien stehen Sie vor der Herausforderung, nicht nur die fachliche Qualität, sondern auch das Klima im Team im Blick zu behalten. Wenn Care-Arbeit unsichtbar bleibt, wird sie ungerecht verteilt. Sie landet dann bei denen, die sie „am besten können“ oder sich am wenigsten trauen, „Nein“ zu sagen.
Das ist keine Nachhaltigkeit. Ein gesundes Team braucht Transparenz darüber, wer welche Last trägt. Es braucht eine Kultur, in der emotionale Kompetenz nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als qualifizierte Leistung gewürdigt wird.
Wie Supervision sichtbar macht
Genau hier setzt meine Arbeit als Supervisorin mit feministischem Blick an. In der Supervision schaffen wir einen geschützten Raum, um diese unsichtbaren Fäden sichtbar zu machen.
Bewusstwerdung: Wir benennen, wer welche „Zusatzarbeit“ leistet. Was passiert im Hintergrund? Wer hält das Netz?
Reflexion: Welche Rollenmuster (wer macht, wer delegiert, wer schweigt) wiederholen sich im Team? Wo wirken alte Geschlechterzuschreibungen nach?
Neuverteilung: Gemeinsam entwickeln wir Strategien, wie Care-Arbeit fairer geteilt oder offiziell anerkannt werden kann. Es geht darum, Strukturen zu schaffen, die die Mitarbeitenden entlasten, statt sie auf ihre „natürliche Fürsorge“ zu reduzieren.
Supervision ist kein Luxus, sondern ein Instrument der Personalentwicklung und Gesundheitsvorsorge. Sie hilft, die „weichen“ Faktoren hart zu verhandeln und wertzuschätzen.
Impuls für Ihre Einrichtung
Wenn Sie spüren, dass in Ihrem Team Ungleichgewichte herrschen oder die emotionale Last zu einseitig getragen wird, lohnt sich ein genauerer Blick darauf. Unsichtbare Arbeit sichtbar zu machen, ist der erste Schritt zu mehr Gerechtigkeit und Gesundheit im Team.
Als Supervisorin in Wien begleite ich Teams und Führungskräfte dabei, diese Dynamiken zu erkennen und konstruktiv zu verändern – mit einem klaren Blick für Gender-Gerechtigkeit und die Realität sozialer Berufe.
